Von der Leidenschaft geführt zu werden

Tango Argentino

Vor knapp zwei Jahren entdeckte ich einen für mich ganz anderen Zugang zum Thema „Führung“. Ursprünglich als Geburtstagsüberraschung für einen Freund geplant, hat sich daraus für mich ein wunderbares, ganzheitliches Forschungsthema entwickelt, das ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, an dieser Stelle sehr gerne empfehlen möchte:

TANGO ARGENTINO – ein intensiver Kurs in Sachen „Führen und geführt werden“

Als ich mich spontan zu einem Anfängerkurs anmeldete, hatte ich zuvor noch nie einen Schritt Tango Argentino getanzt. Doch eh‘ ich mich versah, war ich mittendrin! Meine ersten richtigen bzw. falschen Tanzschritte machte ich mit einem wildfremden Mann unter Anleitung eines sehr der Improvisation verschriebenen Tanzlehrers.

Es wäre vermutlich egal gewesen, mit wem, wo und unter wessen Obhut ich diese ersten Schritte sonst gemacht hätte, an dem, was mich zunächst erwartete, hätte es nicht viel geändert: Frust. Es gesellten sich hin und wieder ein paar Lichtblicke hinzu, aber es fehlte jede Spur der viel zitierten Erotik. Und Leidenschaft? Fehlanzeige. Eher schon war da ein Gefühl von uneleganter Unbeweglichkeit. Ich kam mir vor wie eine Frau, die ihre Handicaps noch nie bemerkt hatte. Meine Haltung, das Gehen, das Drehen, ja selbst das Stehen, die selbstverständlichsten Tätigkeiten wurden auf einmal zum Problem. Und das alles nur, weil ich mir in den Kopf gesetzt hatte, diesen Tanz zu lernen! Statt der erhofften zarten Berührung gab’s erst einmal nur reales Gezerre und Geschiebe. Allein unsere unbeugsame Lernmotivation und Begeisterung sowie unsere Fähigkeit, über uns selbst lachen zu können, ließ uns diese ersten Stunden ertragen.

Führen und geführt werden

Das Thema „Führen und geführt werden“ gehört in meinem beruflichen Alltag ja durchaus zu meinem Repertoire, aber hier wurde es mir erst in seiner ganzen Zwiespältigkeit bewusst. Die Führung beim Tango übernimmt mit wenigen Ausnahmen der Oberkörper des Mannes und hier gibt es nichts, womit der Mann auch nur andeutungsweise mit seinen üblichen Methoden führen könnte. Das verlangt eine ganz besondere Sensibilität, die vielen Männern auf Grund ihrer Sozialisation fehlt.

Es ist daher nicht verwunderlich, dass es in der Tangoszene einen strukturellen Frauenüberschuss gibt. Die meisten Männer spüren von vorneherein instinktiv, dass sie damit überfordert sind. Oder sie merken sehr schnell, dass sie Probleme mit dieser Art der Führung haben. Vor allem im Vergleich zu Mittänzern, die in dieser Beziehung schon viel weiter sind und bereits gelernt haben, dass Führung beim Tango nicht mit Machtausübung und Kontrolle zu verwechseln ist. Macht gibt es hier, wenn überhaupt, nur im Sinne von Wirksamkeit. Ich will als Führender beim Geführten nicht Anpassung oder gar Unterwerfung, sondern Wirkung erzeugen. So wie es auch bei der werteorientierten Führung in einem Unternehmen nicht anders sein sollte: Wir führen nicht von oben herab, sondern mit hohem Einfühlungsvermögen. Nicht starre Regeln, sondern Werte sind der oberste Maßstab. Diese Wirkung entsteht aber auch nicht ohne das eigene Zutun, nicht ohne Energieeinsatz des Geführten. Worte sind dabei nur eine Art Begleitmelodie zum Tanz. Wenn überhaupt, dann füllen sie die Pausen dazwischen. Sie haben jedoch keinen eigenständigen Wert. Beim Tango kommuniziert man ohne die übliche verbale Sprache. Die Rückmeldung seines Gegenübers erhält man dabei stets direkt und spontan. Und sie ist ehrlich, denn wenn uns auch der Kopf manchmal etwas vormachen will, der Körper lügt nicht.

Wenn man es aber verstanden hat, kommt die Leichtigkeit

Tangotänzerinnen wissen – am Anfang ist es ist gar nicht so einfach, sich führen zu lassen. Wenn man es aber verstanden hat, kommt die Leichtigkeit und es scheint ganz einfach. Es kommt dabei immer auf Führende und Geführte an.

Wer es schafft, sich auf diese ungewohnten neuen Wege im Zusammenhang mit Führung, Wahrnehmung und Kommunikation einzulassen, macht völlig neue, spannende Erfahrungen. Dies gilt für Tangotänzer ebenso wie für Führungskräfte, die neue Wege beschreiten und Werte in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen.

Wagen Sie ein neues Führungserlebnis! Tango Argentino Kurse gibt es in vielen Städten. Für Stuttgart und Umgebung gebe ich gerne ein paar Tipps – Mail genügt an scheitler@scheitler.de

Und wie steht’s mit Ihrer Erfahrung von der „Leidenschaft, geführt zu werden“?

 

 

 

2 thoughts on “Von der Leidenschaft geführt zu werden

  1. Leidenschaft – für mich eher Passion – geführt zu werden bedeutet sich dem gemeinsamen Ziel einer harmonischen und freudigen Bewegung in der Musik unterzuordnen.
    In jedem Moment dieser Interaktion lernen wir achtsamer miteinander umzugehen, ja manchmal tut es auch kurz weh – die Erkenntnis wird realisiert. Wir lernen uns besser im Leben und im Beruf führen zu lassen und auch selbst gefühlvoller zu führen – in Achtsamkeit … und Liebe. Viel Freude Ihnen ab heute.

  2. Deine Gedanken bestimmen Deine Worte.
    Deine Worte bestimmen Deine Taten.
    Deine Taten bestimmen Deine Gewohnheiten.
    Deine Gewohnheiten bestimmen Deinen Charakter.
    Dein Charakter ist Dein Schicksal.
    Fazit:
    Lasst uns mit den Werten beginnen – Worten – Taten – viel Freude 🙂

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