Führung der Zukunft: Sinn bieten

Es bleibt sportlich. Wo gestern noch eine mehr oder weniger durchschnittliche Leistung oft genügte, um zu den erfolgreichen Unternehmen zu gehören, hat inzwischen eine gewaltige Umwälzung stattgefunden. Technologischer Wandel, globaler Wettbewerb, Digitalisierung, Kostendruck auf der einen Seite und steigende Renditeerwartungen, höheres Innovationstempo sowie die demografische Entwicklung auf der anderen Seite, haben Leistungs- und Führungsmuster in Frage gestellt.

Die Märkte sind in Bewegung, wirtschaftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich rasant. Angesichts der Unberechenbarkeit künftiger Entwicklungen stoßen unsere bisherigen Konzepte zur Bewältigung des Alltags immer öfter an ihre Grenzen. Es ist für Unternehmen viel schwieriger geworden, Strategien und Konzepte mit längerfristiger Perspektive zu entwickeln.

Insbesondere bei der Gestaltung von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen muss man Wertvorstellungen, Ideale und übergeordnete Ziele glaubhaft vertreten und entwickeln können. Eine an Werten orientierte Führung ist der Schlüsselfaktor für den Erfolg von Führungskräften in der sich ständig verändernden Arbeitswelt. Maßgebend ist vor allem die Tatsache, dass werteorientierte Führung Menschen nicht nur kognitiv über den Verstand anspricht, sondern vor allem emotional über die für die Leistungsmotivation so wichtige Gefühlsebene.

Vor allem die nachrückende Generation achtet verstärkt auf die Beachtung individueller Sinnfragen und auf Identifikationsmöglichkeiten. Hier wächst die Differenz zu dem, was Unternehmen diesbezüglich zu bieten haben. So gewinnen beispielsweise Familienunternehmen und andere mittelständische Unternehmen zunehmend an Attraktivität, wenn es um Unternehmenskultur, Nachhaltigkeit und Werteorientierung geht. Unternehmen und Führungskräfte, die es schaffen, künftig in vielfältiger Weise Sinn anzubieten, werden im Wettbewerb die Nase vorn haben.

Sinn ist die Quelle von Zugehörigkeit, Entwicklung und Leistung, ja sogar von Macht. Ist genug Sinn vorhanden, wirkt sich das unmittelbar auf die Mitarbeiterbindung aus. Die Austauschbarkeit als Arbeitgeber nimmt aus Arbeitnehmersicht drastisch ab. Dabei ist zu bedenken, dass Sinn in Unternehmen einen flüchtigen Charakter hat, sich gewissermaßen verbraucht. Sinn findet immer in der Gegenwart statt und reicht nur bis zum nächsten Schritt in die Zukunft. Sinn muss also immer wieder aktualisiert werden.

Führung muss mehr Sinn produzieren, als sie verbraucht

Das macht deutlich: Führung der Zukunft muss mehr Sinn produzieren, als sie verbraucht. Als Produktionsorte kommen einzelne Führungskräfte und die gesamte Führungsmannschaft eines Unternehmens in Frage.

Prof. Dr. Jürgen Weibler (Autor des Standardwerkes Personalführung) beschreibt dies so: „Die programmatische Aufforderung ‚Reinventing Organizations‘ mündet in einem Organisationsmodell, das Strukturen wie Praktiken nach neuartigen, evolutionär-integralen Prinzipien ausrichtet. Im Ergebnis steht die Erkenntnis, dass das Leben und Arbeiten in Organisationen, ebenso wie deren Leistungsbeiträge für die Gesellschaft, radikal zum Positiven verändert werden können. Aber hierzu muss nicht zuletzt die Führung eine fortgeschrittene Entwicklungsebene erreichen“.

Beim Arbeiten Flügel bekommen

Wenn der individuelle Sinn und der Sinn der Organisation miteinander in Resonanz treten und einander verstärken, dann wird etwas Außergewöhnliches möglich. Wenn Berufung und Arbeit sich verbinden, wachsen wir über uns selbst hinaus. Es fühlt sich an, als hätten wir Flügel bekommen. Wenn wir aus unseren Stärken heraus arbeiten, dann fühlt sich alles mühelos an und wir werden so produktiv wie noch nie.

Welche Aspekte der Sinnausrichtung stoßen bei Ihnen auf Resonanz? Welche einzigartigen Talente und Fähigkeiten können Sie in Ihrem Unternehmen einbringen?
Ich bin gespannt auf Ihre Beiträge.